Streit um Gemeindezentrum-Areal: „Norschter in Bewegung“ gegen Verkauf

Der geplante Neubau an der Taunushalle ist beschlossene Sache: Zunächst soll auf dem Parkplatz eine neue Mehrzweckhalle gebaut werden, anschließend soll die heutige Taunushalle abgerissen und auf der Fläche ein Stadtteilzentrum mit Ortsverwaltung, Bürgersälen und Freiwilliger Feuerwehr entstehen (wir berichteten). Kontrovers diskutiert wird jedoch die Finanzierung: Teile der Kommunalpolitik wollen das Gelände des bisherigen Gemeindezentrums in der Ortsmitte verkaufen, um Mittel für das neue Stadtteilzentrum zu gewinnen. Die Wählergruppe „Norschter in Bewegung“ spricht sich entschieden dagegen aus. Stattdessen fordert sie eine langfristige Sicherung für die Allgemeinheit und die Schaffung eines Bürgerparks im alten Ortskern.

Nach Ansicht der Wählergruppe zählt das Areal zu den letzten zentralen Entwicklungsflächen im Stadtteil. Ein Verkauf würde hingegen dauerhaft die Gestaltungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand einschränken. „Norschter in Bewegung“ plädiert hingegen für eine Konzeptvergabe und Erbpacht statt Verkauf, nur so könne das Areal weiterhin im Sinne der Allgemeinheit genutzt werden – und zwar auch für zukünftige Generationen. Die heute versiegelten Flächen wie die Straße An der Schule, deren Parkplätze und der sogenannte Lehrerparkplatz sollen entsiegelt und als öffentliche Grün- und Begegnungsfläche genutzt werden. Ein Bürgerpark könne Aufenthaltsqualität schaffen, zur Klimaanpassung beitragen und den stark gewachsenen Stadtteil aufwerten.

Für den Bürgerpark konnten die Norschter in Bewegung bereits in der vergangenen Wahlperiode erste Schritte erreichen. Der Verkauf des Areals für den Bau von Wohnungen ist allerdings noch nicht vom Tisch: Die CDU Nordenstadt spricht sich in ihrem Wahlprogramm explizit für den Verkauf aus, auch die Stadtregierung hat entsprechende Pläne.

Kritik übt die Gruppierung vor allem an deren Finanzierungslogik: Die Nordenstadter Infrastruktur wurde über Jahrzehnte vernachlässigt, und nun soll sie durch den Verkauf zentraler Flächen erneuert werden. In diesem Zusammenhang verweist die Wählergruppe auf Zusagen aus der Eingemeindungsvertrag nach Wiesbaden 1977, die bislang nicht vollständig umgesetzt wurden.

Um die Diskussionen und die Ideenfindung rund um das Areal anzustoßen, hatte die Wählergruppe „Norschter in Bewegung“ im vergangenen Jahr einen Ideenwettbewerb mit Architektur-Studierenden der Frankfurt University of Applied Sciences (ehem. Fachhochschule) angestoßen. Dabei wurden Konzepte entwickelt, wie versiegelte Flächen rund um das Gemeindezentrum zu entsiegelt, Parkraum neu geordnet und zusätzliche Grünflächen geschaffen werden können. Auch eine Kernsanierung und Umwandlung der bestehenden Gebäude in Wohnraum wurde dabei untersucht und für gut möglich erklärt. So müsste das „Betongold“ nicht abgerissen und neugebaut werden – die Betonproduktion ist eine der klimaschädlichsten Branchen. Die Stadtverwaltung verweigert bisher eine Bewertung der Ergebnisse des Ideenwettbewerbs, obwohl der Ortsbeirat offiziell darum gebeten hatte.

Der stellvertretende Ortsvorsteher Kristijan Tomić (Norschter in Bewegung) fasst die Position zusammen: „Nordenstadt brauche ein neues Stadtteilzentrum, aber ebenso einen lebenswerten Ortskern. Beides dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden.“ Die Entscheidung über Verkauf oder Erhalt des Geländes steht noch aus.