DLRG Nordenstadt/Wallau feiert 50-jähriges Bestehen

Die DLRG Nordenstadt/Wallau braucht keine Rettungsstationen und Schnellboote. Ihre Arbeit setzt früher an: bei der Prävention – bevor etwas passiert. Seit genau einem halben Jahrhundert bildet die Kreisgruppe Nichtschwimmer zu Schwimmern aus – bisher fast 6.000 aus Nordenstadt und Umgebung. Christoph Eich leitet die Kreisgruppe seit 25 Jahren und hat uns in einem Interview über deren Arbeit informiert.
Herr Eich, viele unserer Leserinnen und Leser der Norschter News haben bei Ihnen schwimmen gelernt, viele bringen heute ihre Kinder oder sogar Enkelkinder. Was bedeutet Ihnen diese Verwurzelung im Ort?
Das ist das Schönste, was einem Verein passieren kann – und ehrlich gesagt der größte Antrieb für unsere ehrenamtliche Arbeit. Wenn wir am Freitagabend am Beckenrand stehen und frühere Schwimmschüler mit ihrer Familie wiederkommen, dann sind die über 5.700 ausgebildeten Schwimmer nicht eine statistische Zahl, sondern eine gelebte Gemeinschaft, deren Gesichter man kennt und die auf Vertrauen basiert.
Unser Auftrag ist es, Ertrinken zu verhindern, bevor es passiert. Wir wollen nicht, dass aus einem Moment der Unachtsamkeit eine Katastrophe wird – dass Familien Schicksale erleben müssen, die vermeidbar wären. Aber Zahlen leben erst, wenn man sie mit Gesichtern füllt. Und genau das tun wir hier. Die DLRG ist seit einem halben Jahrhundert für viele mehr als ein Ort zum Schwimmenlernen: es ist ein sicherer Hafen, der Verantwortung nicht schwer, sondern stark macht.
Freitagabend, Wiesbadener Hallenbad – für viele im Ländchen seit Jahrzehnten ein fester Termin. Wie begeistern Sie immer wieder junge Menschen dafür, selbst Ausbilder zu werden?
Indem wir früh Verantwortung übergeben. Wer bei uns als Jugendlicher anfängt zu helfen, merkt schnell: Ich werde gebraucht, meine Arbeit zählt. Mit dem Modell der Junior-Ausbilder wachsen junge Menschen schon mit fünfzehn, sechzehn Jahren in eine echte Ausbildungsrolle hinein – und viele bleiben. Das ist kein Zufall, sondern Prinzip seit 50 Jahren: Wir geben jungen Menschen Aufgaben, die wirklich zählen. Jeden Freitagabend, ohne Scheinwerfer, ohne Applaus. Leise – und gerade deshalb mit echter Wirkung.
Die Corona-Zeit hat das eindrucksvoll bewiesen: Während fast alle Bäder in Wiesbaden schlossen, haben wir als einzige Gliederung das Freizeitbad Mainzerstrasse weiter gemietet und den Betrieb aufrechterhalten. Die Mannschaft hat das Risiko gemeinsam getragen. So entsteht Verbundenheit, die hält.
Wiesbaden plant den Umzug des traditionellen Hallenbads in der Mainzer Straße zum Sportpark Rheinhöhe. Was bedeutet das für die DLRG Nordenstadt/Wallau?
Ein echtes Signal, dass Schwimmen ernst genommen wird – und wir freuen uns darauf. Denn der Bedarf ist enorm: Der Pandemie-Rückstand ist noch längst nicht aufgeholt. Kinder kommen heute später und unsicherer ins Wasser – und das ist keine Kleinigkeit. Ertrinken zählt zu den häufigsten Unfallursachen bei Kindern. Schwimmen lernt man eben nicht mit einer App. Es braucht Menschen, Wasser und Zeit. Genau das bieten wir.
Aber es geht um mehr als Schwimmfähigkeit: In unsicheren Zeiten braucht die Gesellschaft Orte, an denen Menschen füreinander einstehen – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Die DLRG Nordenstadt/Wallau ist so ein Ort. Mein Wunsch für die nächsten fünfzig Jahre: dass jedes Kind im Ländchen sicher schwimmt – und viele irgendwann zurückkommen und selbst ausbilden.

Oben: Treffen der Ehemaligen am 20.06.2026 in Wallau.
Christoph Eich leitet die Kreisgruppe seit 25 Jahren
Text und Bilder: DLRG Nordenstadt/Wallau
